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Ausbildung zum Yogalehrer in Freiburg / Waldkirch

Pranayama ist ein einzigartiges, den Weg des Yoga bezeichnendes Phänomen, dem man in so ausgefeilter Art und Weise auf der Welt nicht mehr begegnet.

Seit Jahrtausenden haben sich die Inder auf verschiedenen Ebenen (medizinisch, philosophisch, spirituell) mit dem Atem beschäftigt.

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Yogalehrerausbildung / Yogaschule Tanja Sailer
Hatha Yoga und Philosophie -
Freiburg, Waldkirch, Baden Württemberg, Süddeutschland, Schwarzwald,

Meditationsformen

1. Gegenständliche Meditationsformen mit verschiedenen Objekten

Konkretes

Meditationsobiekt

v i s u e l l :

Symbol, Blume, Flamme,
Baum, Sonne, Mond,
Berg, Wasser, Erde,
Wolken, Sterne

a u d i t i v :

Töne, Kirtan, Musik,
Mantren (siehe Formen der Atemmeditation)

t a k t i l :

zum Beispiel Atembetrachtung (siehe Formender Atemmeditation)
Mentales
Meditationsobjekt
zum Beispiel Koans, religiöse Sprüche
Emotionales
Meditationsobjekt
meistens mit suggestiver Komponente, zum Beispiel Brahmaviharas: Maitri, Karuna, Mudita, Upeksa
Guru
Lebewesen oder Gegenstand mit besonderem emotionalen Bezug zum Meditierenden
Suggestives
Meditationsobjekt
zum Beispiel Schaubild-entfaltungen (z. B. Gottheiten), Identifikation mit religiösen Vorstellungen (z.B. : "Aham brahmasmi" / Ich bin Brahman oder "Frieden empfindend will ich einatmen, will ich ausatmen")

2. Nicht gegenständliche Meditationsformen ohne Objekte

Japa Meditation: Theory
Mantra Yoga is an exact science. Mananat trayete iti Mantrah.
"By the constant thinking of Mantra, one is protected and released from the round of
births and deaths." A Mantra is so-called because it is achieved by the mental process.
The root "man" in the word Mantra comes from the first syllable of that word meaning
"to think" and "tra" from "trai" meaning "to protect or free" from the bondage of the
phenomenal world. A Mantra generates the creative force and bestows eternal Bliss. A
Mantra when constantly repeated awakens the consciousness.

Swami Sivananda

Japa Yoga
A Mantra is mystical energy encased in a sound structure. Every Mantra contains within
its vibrations a certain power. Upon concentration and repetition of a given Mantra, its
energy is elicited and takes form. Japa, or Mantra Yoga, is that practice by which then power contained within Mantras is applied for specific purposes.

Die yogische Atemschulung - Pranayama

Lebensrhythmus
Dreifach ist des Lebens Rhythmus -
nehmend
gebend
selbstversunken:
Einatmend nehm' ich die Welt in mir auf,
Ausatmend gebe der Weit ich mich hin,
Leergeworden leb ich mich selbst-
lebe
entselbstet
und öffne mich neu
Einatmend nehm' ich die Welt in mir auf,
Ausatmend gebe der Welt ich mich hin,
Entleert erleb' ich die Fülle
Entformt erfüll' ich die Form.

Etymologische Bedeutung von Pranayama

Prana umfasst ein ganzes Wortfeld mit den Bedeutungen Leben, Energie, Kraft, Atem, Wind, Hauch. Es ist die Energie, die das Universum auf allen Ebenen durchdringt. Es ist die physische, mentale, intellektuelle, spirituelle, sexuelle und kosmische Energie.

"Ayama" bedeutet wörtlich Regulation, Kontrolle, Disziplin.

Pranayama wörtlich übersetzt heißt demnach Regulierung bzw. Kontrolle über die Kraft, die allem zu Grunde liegt. Als Terminus Technicus des Haþha Yoga und bei Patañjali bezeichnet es eine Gruppe von Atemübungen im Rahmen verschiedener Traditionen, bei denen bewusst der Atem verlangsamt oder für gewisse Zeit angehalten wird.

Die Geschichte des Pranayama:

Pranayama ist ein einzigartiges, den Weg des Yoga bezeichnendes Phänomen, dem man in so ausgefeilter Art und Weise auf der Welt nicht mehr begegnet. Seit Jahrtausenden haben sich die Inder auf verschiedenen Ebenen (medizinisch, philosophisch, spirituell) mit dem Atem beschäftigt.

Wesentliche historische Stationen dieser Beschäftigung finden sich in folgenden Schriften:

Den Veden: Hier ist die Kunst, den Atem zu lenken noch an Opferzeremonien und Gesang gebunden.

Den Upaniûaden: Hier finden sich zahlreiche Abhandlungen über die Bedeutung des Atems, Prana und über die Zusammenhänge vom Ruhigwerden der Sinne und dem Atem.

Den Yogasýtren Patañjalis: Pranayama ist das 4. Glied auf dem 8-fachen klassischen Yoga Pfad. Es wird hier als eine Methode gepriesen, um indirekt auf den Geist einzuwirken. Ruhe bei gleichzeitiger Aufmerksamkeit ist der Zustand, der erreicht werden soll und damit die Meditation ideal vorbereitet.

Den Haþha Yogaschriften: Es finden sich hier konkrete aber verschlüsselte Angaben zu verschiedenen Atemtechniken. Neben Gesundheit, Schönheit, Wohlempfinden und Langlebigkeit steht wieder die Erkenntnis im Zentrum des Bemühens.

Meditation - Pratipakûabhavanam

Patañjali 2,33

"Vitarkabadhane pratipakûabhavanam"

"Störende Gedanken können durch das Denken an ihr Gegenteil überwunden werden."

Vitarka = Gedanke; badhane = Störung; pratipakûa = Gegenteil, Gegensatz, andere Seite; bhavana = Hervorbringen, Vorstellung, Grundstimmung

Das ist die sogenannte pratipakûa-bhavana-Methode. Wenn man einen negativen Gedanken hat, denke man an das Gegenteil. Wenn man ungeduldig ist, denke man an Geduld. Wird man leicht ärgerlich, meditiere man über Gleichmut. Neigt man zu Ängstlichkeit, meditiere man über Mut. Wenn man Hass in sich trägt, entwickle man Liebe u.s.w., und zwar durch ständiges Nachdenken. Das kennen wir als Eigenschaftsmeditation (siehe 133). Patañjali wiederholt sich an einigen Stellen bei den Dingen, die er für besonders wichtig hält.

Es ist eine gute Sache, sich vorzunehmen, eine Eigenschaft besonders zu entwickeln. Man kann zum Beispiel einen Monat lang besonders Gleichmut entwickeln, im nächsten Mut, im Monat danach Geduld, dann Pünktlichkeit u.s.w. Das ergibt immerhin zwölf positive Eigenschaften im Jahr, die man vielleicht nicht bis zur Vollkommenheit, aber doch ein gutes Stück entwickeln kann. So transformieren wir allmählich unsere Persönlichkeit.

Oder wir können natürlich auch durch die yamas gehen und jeden Monat einen Punkt von ihnen besonders entwickeln. Wir können einen Monat lang besonders an ahimsa, Gewaltlosigkeit, arbeiten, dann an satya, Wahrhaftigkeit, etc. Die kleinen Schwindeleien, Notlügen oder Übertreibungen, die man ab und zu macht, lässt man diesen Monat weg. Oder asteya, Nichtstehlen. Man achtet dann sehr genau darauf, dass man nichts wegnimmt, was einem anderen gehört. Man kann das als Meditation machen, als Affirmation sagen, und man muss es natürlich jeden Tag auch umsetzen. Nur darüber nachzudenken reicht nicht aus. Aber alles zusammen ist sehr wirksam. Wir können darüber nachdenken, Affirmationen am Anfang und/oder am Ende der Meditation und/oder am Ende der Tiefenentspannung wiederholen, wir können uns morgens vornehmen, öfter während des Tages darüber nachzudenken und jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die diese Eigenschaft unter Beweis stellt. Also beispielsweise wenn man Mut entwickeln möchte, dann soll man jeden Tag eine Sache tun, die Mut erfordert und die man normalerweise nicht gemacht hätte. Nicht hundert, sondern eine - aber dann auch wirklich tun. Eine Handlung reicht aus. Man soll den Geist nicht überfordern. Dann wird innerhalb eines Monats eine entscheidende Veränderung im Geist eintreten.

(Kommentar von Sukadev Volker Bretz)

Antarangas - Die inneren Glieder des Yoga

Pratyahara -

Das Nach-Innen-Wenden der Aufmerksamkeit und das Ruhigstellen der Sinneswahrnehmungen

Die zweite Art der inneren Bewegungen, die wir entdecken, ist das Wandern der Sinne. Unsere Augen schauen hierhin und dorthin, unsere Ohren hören hierhin und dorthin. Unsere Empfindungen nehmen dieses und jenes wahr in ständigem Wechsel und nach außen gerichtet. Solange dieses Wandern geschieht, nehmen wir die Vielfalt der Welt nur an ihrer Oberfläche wahr, und es gelingt uns nicht, zum Wesenhaften vorzudringen und in die Tiefe zu schauen. - Darum wird Pratyahara geübt. Die Beobachtung des eigenen Atems über das Spüren und Lauschen sowie das Schließen der Augen bewirken zugleich das Ruhigstellen und das Nach-Innen-Wenden der wandernden Aufmerksamkeit. Da der Atem beständig gegenwärtig ist, kann mit dieser Ausrichtung der Aufmerksamkeit ein stabiler und dauerhafter, ungestörter innerer Zustand erreicht werden.

Dharana - Konzentration und Einsgerichtetheit des Bewusstseins

Die dritte Art der inneren Bewegungen, die wir entdeckken, ist das Wandern der Gedanken, welches unsere Aufmerksamkeit in verschiedene Richtungen lenkt und das zugleich Auslöser für verschiedene Emotionen ist. Diese Gedankenbewegungen bedeuten Verhaftung an die Vielfalt der äußeren und inneren Erfahrungen mit unserer Welt. Um Wesentliches erfahren zu können, muss die Bewegung in der Vielfalt zur Ruhe kommen. Das Schauen des Atems zieht die Energie von den Denkbewegungen ab, wodurch das Denken rasch zur Ruhe kommt (Sutra I,34). Konzentration ist in der ersten Übungsphase ein dynamischer Vorgang. Solange die Gedanken in Bewegung sind und in verschiedene Richtungen streben, wird durch geeignete Übungen das Denken oder die Aufmerksamkeit der Sinne in nur eine einzige Richtung gelenkt und dort zur Ruhe gebracht (Kapitel 6.3.2). Jede gedankliche Ablenkung wird durch bewusste Rückkehr zur gewählten Zielrichtung der Aufmerksamkeit aufgefangen. Solange das Bewusstsein nicht stabil in sich ruht, besteht in der ersten Konzentrationsphase eine ständige Hin- und Herbewegung zwischen Ablenkungen und Konzentrationsziel. Das Konzentrationsziel sollte darum so gewählt werden, dass es leicht zwischen den Ablenkungen wiedergefunden werden kann und die Aufmerksamkeit wie von selbst auf sich zieht. Das gewählte Konzentrationsziel ist zunächst nur ein Mittel zur Sammlung der Aufmerksamkeit, eine Übungshilfe, um Ablenkungen zu überwinden. Daraus folgt die Einsgerichtetheit des Bewusstseins, wenn die Ablenkungen zur Ruhe gekommen sind. Diese Einsgerichtetheit der Aufmerksamkeit ist die zweite Phase der Konzentration, wenn der Ruhezustand erreicht.

Dhyana - Meditation als Zustand des Sehens mit Unterscheidung von Seher und Gesehenem

Die reglos einsgerichtete wache Wahrnehmung des Bewusstseins lässt den Übenden zum »Seher« werden. Es entsteht ein Zustand von »darsana«, Schauen, welches uns vertraut werden lässt mit dem Geschauten. Dieser Zustand des Schauens ist frei von Gedanken und Erwägungen (nirvitarka), somit frei von abgrenzenden ichhaften Strebungen des Bewusstseins. Weil die abgrenzenden Regungen des Ich fehlen, kann eine Annäherung zwischen dem Seher und dem Gesehenen stattfinden, die letztlich zur Wesensschau führt. In diesem Zustand der Meditation gibt es einen Sehenden als Subjekt, ein Gesehenes als Objekt und ein Sehen als verbindenden Vorgang oder Beziehung. Jeder Gegenstand oder Inhalt kann zum Objekt der Meditation gemacht werden. Im Bewusstsein herrscht ein Zustand von Dualität oder Trennung zwischen Subjekt und Objekt, weil die Individualität des Sehers, auch ohne Ichregungen, noch eine Begrenzung oder Bindung bedeutet. Darum ist selbst der Seher nicht frei im Sinne von kaivalya. Es besteht jedoch die Einsicht, dass das Wesen des Sehers nichtverschieden ist vom Wesen des Gesehenen. Diese Einsicht bewirkt die Erkenntnis des allen Wesen gleicherweise innewohnenden Selbst im Sinne der Upanisaden oder »SELBST-Erkenntnis«.

Samadhi - Meditation als Zustand der Nichtgeteiltheit (advaita)

Versenkung oder Kontemplation oder Erleuchtung oderYoga - dies sind verschiedene Bezeichnungen für "diejenige Meditation, welche den Gegenstand der Meditation allein zum Leuchten bringt, wobei die Identität der Individualität aufgehoben ist." Dies wird samadhi genannt (YS III,3). Wenn der Seher und das Gesehene ihre abgrenzende Individualität hinter sich lassen und das Ichbewusstsein des Sehers sich aus der Bindung an seine Identität herausbegibt, dann entsteht »Eins-Sein«, die reine unbegrenzte Schau oder die Schau des Unbegrenzten, welche Yoga oder Erleuchtung genannt wird. In diesem Zustand gibt es kein Subjekt, kein Objekt-keinen Seher und kein Gesehenes. Es existiert allein »das Sehen« - das Eine ohne Zweites, welches »advaita« oder Nichtgeteiltheit genannt wird.

Allgemeines zur Asanapraxis:

"Denn wie könnten die Yogins, die ihren Körper
nicht kennen ... die Vollkommenheit erlangen?"

Yoga verdankt seine derzeitige Popularität vor allem den Körperübungen.
Allein in der BRD gibt es zur Zeit Übet 3 Millionen Yogapraktizierende und wir können davon ausgehen, dass sich ein Großteil davon vor allem mit den Methoden des Haþha Yoga und hier im engeren Sinne mit der Äsanapraxis beschäftigt Etymologisch lässt sich das Wort " Asana" auf die Sanskritwurzel ( Sanskrit = Altindische Sprache)

"as" zurückführen, was Soviel wie "sitzen" bedeutet. Primär bezeichnet das Wort "asana" damit

zunächst einmal verschiedene Sitzhaltungen (, diese hatte wohl auch Patañjali im Blick, als er in

seinem berühmten Werk, den Yogasutren, "asana" als 3. Glied auf dem achtfachen Yogaweg

hervorhebt). Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung des Yoga wurde der Begriff " Asana" dann im

Rahmen der Haþha Yogatradition zum Überbegriff für ein breites Spektrum verschiedenartigster

Körperübungen. Darunter Vor- und Rückbeugen, Drehungen, Seitbeugen, Umkehrhaltungen,

Kräftigungs- und Balancehaltungen. Man wendet sich dabei unter Berücksichtigung der eigenen

momentanen Verfassung mit Empathie und Achtsamkeit dem Körper zu.

Angestrebt wird mittels diesen Methoden die Kräftigung und Reinigung der psycho-physischen Einheit;

ein Zustand der Gesundheit ( arogyam), der Stetigkeit ( sthairyam ), der Kraft ( dødhata) und der

Leichtigkeit I angalaghavam ), als optimale Voraussetzung für innerer Stille und Klarheit,

In dem Klassiker der Yogaliteratur, den Yogasutren Patañjalis wird die Quintessenz der Asanapraxis

den Versen 2,46 bis 2, 48 folgendermaßen definiert:

2,46: "sthëra sukham asanam"

Die (Sitz-)haltung sollte fest und bequem sein

2,47: "prayatnaêhaltilya anandasamapatthibhyam"

Das Asana ist geprägt vom Loslassen der Spannung und der Konzentration auf das Unendliche

2,48: "tatah dvaðdva abnabhigaþhaÿ"

Dann wird man frei von den Angriffen der Gegensatzpaare
Obwohl diese Sutren ( Merkverse ) in den Haþha Yogatexten so nicht stehen, ist es "usus" auch die

Haþha-Yoga-Asanas unter diesem Vorzeichen zu praktizieren. Das Grundprinzip bleibt also auch hier immer das statische, entspannte und auf die Weite ausgerichtete Verweilen in den Haltungen.

Die yogische Körperschulung - Asanapraxis

"Die Übungsweise mit Yoga ist eine Art Haltungsschulung für das Leben in allen Bereichen.
Die Haltung geht dabei weit über die perfekte körperliche Form hinaus in eine
harmonische von Licht und Liebe getragene Bewusstheit"
Heinz Grill

Physiologische Aspekte der Asanapraxis

Gerade hierzu gibt es inzwischen etliche seriöse wissenschaftliche Studien, die durchweg eine Gesundheitserhaltende, gesundheitsfördernde und zum Teil auch therapeutische Wirksamkeit der Yogapraxis im Allgemeinen und der Asanapraxis im Besonderen belegen (z.B. von : Dr. Dietrich Ebert, Dr. Martina Bley, Barbara Schilpp, Sonja Cehlen, Dr. Wolfgang Bruns ..,)

Die Studienergebnisse sind größtenteils so überzeugend, dass mehreren Autorlnnen sich für die Einrührung von Hatha Yogakursen in Institutionen wie Schulen, Begegnungsstätten, Heimen und Kliniken aussprechen. Trotz der gesundheitsfördernden Wirkungen der welche auch vereinzelt in den Originaltexten genannt werden, sollte der / die Yogapraktizierende im Au" (,behalten, dass Gesundheit vom auf Selbsterkenntnis ausgerichteten eine Art " Nebeneffekt " und positive Begleiterscheinung darstellt. Es ist legitim, sich an diesen Begleiterscheinungen zu erfreuen, sie zu genießen, jedoch gefährlich, die eigenen Bemühungen diesbezüglich zu überschätzen. Wer sich von der Yogapraxis immerwährende Gesundheit, Faltenfreiheit und Schönheit erhofft, läuft sehr schnell Gefahr, enttäuscht zu werden. Immer haben die Weisen Indiens gesehen, dass der Körper als Teil der Erscheinungswelt nicht nur vielen Einflüssen unterworfen ist, sondern auch dem Strom des Lebens Und damit der Zeitlichkeit anheim gegeben ist.

Psychologische Aspekte der Asanapraxis

Yoga ist nicht nur in Bezug auf unser körperliches Wohl interessant, sondern auch im Hinblick auf

unser psychisches Wohlbefinden. Es gibt auch in diesem Bereich inzwischen etliche seriöse wissenschaftliche Studien, welche die psychologische und soziale Tragweite der Yogapraxis untersuchen. Ihre Ergebnisse berichten von : einem allgemein positiveren Lebensgefühl von subjektiven Gefühlen des Getragen- und Geborgenseins von einer Verbesserung des Selbstwertgefühls von der Reduzierung von Angst und Neurotizismus von der Verbesserung der Intelligenz- Und Sozialentwicklung (bei Kindern)

Wir können davon ausgehen, dass die Aanapraxis ganz entscheidend zu diesen Ergebnissen beiträgt.

Was dürfen wir in psychologischer Hinsicht von einer regelmäßigen Asanapraxis erwarten? Folgende Punkte scheinen mir bemerkenswert :

1. Eine positive, körperfreundliche innere Haltung
2. Eine zunehmende Einsichts- und Erlebnisfähigkeit bezüglich der Zusammenhänge von Körper-Atem und Geist
3. Ein Gewahrwerden von Bewegungs- und Handlungsmustern
4. Eine an den Yamas und Niyamas orientierte Um-und Neukonditionierung

Die spirituelle Dimension der Asanapraxis

In den Haþha Yogatexten wird die spirituelle Ebene nie aus den Augen verloren. In den klassischen Yogatexten wird immer wieder betont, dass alle Methoden des Yoga der Erkenntnis und der- Selbstverwirklichung dienen. Insbesondere der meditativen Sitzhaltung, die in gewisser Weise ja durch eine umfassende Lind vielschichtige Asanapraxis vorbereitet wurde kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Sie ist das körperliche Pendant zu der Stille Und Unbewegtheit die im Yoga auf allen Ebenen angestrebt wird - als "gativiccheda" auf der Ebene des Atems ( Patañjali und als "citta vøtti nirodhah" auf der Ebene des Geistes ( Patañjali 1,2 ). Eliade spricht im Blick auf die Asanas von Einspitzigkeit auf körperlicher Ebene. Mit dieser Einspitzigkeit trägt das Asana par excellence, die meditative Sitzhaltung maßgeblich zu innerer Ruhe und Sammlung des Geistes und damit auch zur Bewusstseinserweiterung und Intensivierung bei. "Üben ist meist an ein Ziel gebunden, man will ein Resultat erreichen - dies ist ein großes Hindernis. Seien Sie sich vor allem der Art bewusst, mit welcher Sie diese, oder jenes sein wollen; nichts ist in Wirklichkeit zu erreichen, da ja das, was Sie suchen, hier ist, immer hier war..." (Jean Klein)

Duie vier unermesslichen Gefühle (brahmavihara)

Patañjali 1,33

Pat. 1,33: "Der Geist wird durch die Entwicklung von Freundlichkeit, Mitleid, Mitfreude und Gleichmut gegenüber angenehmem und unangenehmem, Laster und Tugend klar ("cittaprasadanam").

Sutren, die zum Verständnis beitragen:

Pat.1,2: Yoga ist das zur Ruhe kommen der Gedanken im Geist
Pat.1,3: Dann ruht der Sehende in seiner wahren Wesensidentität
Pat.1,12: Bemühung und Loslösung führen zur Ruhe des Geistes
Pat.1,30: Die Hindernisse für die Verwirklichung sind Krankheit, geistige Trägheit, Zweifel, Gleichgültig keit, Faulheit, Verlangen nach Vergnügen, Täuschung, die Unfähigkeit zur Konzentration und Ruhelosigkeit des Geistes durch Ablenkung

Pat.1,31: Schmerz, Depression, Nervosität und unregelmäßige Atmung sind die Symptome des zerstreuten Geistes.

Ab Sutra 1,32 werden Methoden aufgezählt, die dabei helfen, diese Störungen (citavikshepas) zu beseitigen. Bei Despande werden sie unter "alternative Wege" zusammengefasst.

Mahamrityunjaya Mantra
Om tryambakam yajamahe
sugandhim pushtivardhanam
urvarukamiva bandhanan
mrtyor mukshiya maamritat
Wir verehren den dreiäugigen Siva,
der wohlriechend ist und alle Wesen nährt.
Möge er uns vom Tod befreien und uns,
wie eine reife Gurke von der Pflanze abfällt,
für die Unsterblichkeit reif machen.

Ruhe und Heiterkeit des Geistes - Cittaprasadanam

Patañjali 1,33

"Maitrëkarunamuditopekêanam sukhaduÿkhapuðyapuðyaviûayanambhavanataêcittaprasadanam"

"Der Geist wird durch die Entwicklung von Freundlichkeit, Mitgefühl, Heiterkeit und Gleichmut gegenüber Vergnügen, Schmerz, Laster und Tugend klar."

maitri = Freundlichkeit; karuna = Mitgefühl, Wohlwollen; mudita = Freude, Frohsinn, Zufriedenheit, Heiterkeit; upekêana = Gleichmut; sukha = Vergnügen; duÿkha = Schmerz; puðya = Tugend, Verdienst; apuðya = Laster, Sünde; viûayana = Ziele; bhavanataÿ = Entwicklung von Haltungen,

Verweilen in Gedanken; citta = Geist, Verstand; prasadana = Klarheit, Ruhe

Wir können über Freundlichkeit, Mitgefühl, Zufriedenheit und Gleichmut meditieren. Dafür eignet sich zum Beispiel die Eigenschaftsmeditation. Das ist eine konkrete Meditationstechnik, um eine bestimmte Eigenschaft zu entwickeln oder zu verstärken, indem wir über Affirmationen, Visualisierung, Nachdenken, Fühlen und abschließender nochmaliger Affirmation eine Weile lang jeden Tag üben. Dadurch wird diese Eigenschaft sehr stark. Angenommen, du willst Gelassenheit entwickeln. Dann kannst du die Eigenschaftsmeditation in folgenden Schritten anwenden:

· Du setzt dich mit aufgerichteter Wirbelsäule zur Meditation hin. Schließe die Augen. Wiederhole die Affirmation: "Ich bin gelassen, OM OM OM. Ich bin gelassen, OM OM OM" ein paar Minuten lang.

· Denke über Gelassenheit nach, als ob du einen Aufsatz darüber schreiben oder eine Rede halten wolltest. Definiere, was Gelassenheit ist, denke über die Vorteile, eventuell auch Grenzen nach.

· Stelle dir jemanden vor, der selbst gelassen ist, der dir als Vorbild dienen kann. Eine real existierende Person, oder eine aus der Vergangenheit, aus Mythologie, Theater, Literatur, Filmen.

· Wiederhole "OM Gelassenheit" geistig. Spüre jetzt die Eigenschaft und das Gefühl von Gelassenheit. Gehe mit deinem ganzen Wesen in die Essenz von Gelassenheit hinein, sei ganz absorbiert im intuitiven, ganzheitlichen Erfassen des Wesens von Gelassenheit.

· Visualisiere dich selbst in Situationen, in denen du gelassen reagierst. Male dir künftige Situationen genau aus, in denen du in der gewünschten gelassenen Art und Weise handelst.

· Wiederhole wieder ein paar Mal: "Ich bin gelassen, OM OM OM. Ich bin gelassen, OM OM OM".

Mache diese Eigenschaftsmeditation jeden Tag 5-20 Minuten lang, entweder als deine tägliche Meditation oder zusätzlich zu deiner normalen Praxis. Wiederhole außerdem die Suggestion "Ich bin gelassen, OM OM OM" ein paar Mal vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen. Sie wird tief ins Unterbewusstsein einsinken und wirksam werden. Setze die Affirmation täglich in die Praxis um. Das heißt, handle mindestens einmal pro Tag so, dass du die Eigenschaft der Gelassenheit anwendest. Lobe dein Unterbewusstsein dafür. Übe eine Woche bis einen Monat an einer Eigenschaft. Du wirst erstaunt sein, wie schnell du eine Eigenschaft entwickeln kannst. Anschließend gehe über zu anderen Eigenschaften wie Mut, Selbstvertrauen, Mitgefühl, Geduld, etc.

(Kommentar von Sukadev Volker Bretz)

Meditation - Dialog mit Jean Klein

Was halten Sie von den Meditationstechniken, die zur Zeit en vogue sind?

Jede Technik ist eine Konditionierung, und solche Meditationstechniken, die das Gegenteil von sich behaupten, drehen sich in einem Teufelskreis. Meditieren bedeutet, etwas zu tun. Dies kann man nicht leugnen unter dem Vorwand, dieses Tun ziele auf ein Aufhören und Nichtstun.

Wer methodisch meditiert, gleicht einem Menschen, der sich auf eine Reise vorbereitet. Wenn Sie nicht die Absicht hegen, eine Reise zu unternehmen, brauchen Sie dafür nichts zu tun; Sie gehen eben einfach nicht auf die Reise. Wollen Sie bereit und offen für das Licht des Selbst sein, so gibt es dafür nichts zu tun. Es besteht keine Notwendigkeit, etwas zu tun, um nichts zu tun. Es gibt einfach nichts zu tun. Wahre Meditation ist eine Folge von Augenblicken der Gnade, des Friedens und des Loslassens.

Gleichwohl können gewisse Meditationstechniken nützlich sein, wenn wir uns darüber im klaren sind, dass sie einen rein erzieherischen Wert besitzen. Der gewöhnliche Mensch ist so geschäftig, so rastlos, dass es ein rechtes Geschäft für ihn wird, den Weg zu einem Zustand des Nichtstuns zu finden. Doch solche Techniken sind nichts weiter als Annäherungswege. Sie führen uns nicht in den Zustand des Nichtstuns, sondern sie erlauben uns, ihm näher zu kommen. Erkenntnis jedoch ist unmöglich, wenn wir nicht über die Technik hinausgelangen.

Allgemein gesagt, bilden diese Techniken zwei Kategorien: die Meditation mit einem Objekt und die Meditation ohne ein Objekt.

Die Meditation mit einem Objekt ist die einfachere von beiden und für Anfänger am besten geeignet. Man vereinbart ein konkretes oder abstraktes Objekt der Betrachtung: Krishna, Jesus, die Göttliche Güte, die Herrlichkeit Gottes etc. Der Meditierende konzentriert sich auf dieses Bild oder diesen Begriff. Er stellt sich das Bild vor oder definiert den Begriff zunächst allgemein und dann in seinen Einzelheiten. Es kann geschehen, dass seine Meditation ihn am Ende mit dem Objekt verschmilzt; so lernt er einen Zustand der Einheit kennen. Dies ist jedoch nur ein Zustand, nicht gleichzusetzen mit Erkenntnis. Gleichwohl kann der Meditierende, der hervorragend still und friedvoll ist, zufällig Zugang zu Erkenntnis erlangen, in der er von einem bestimmten Zustand der Einheit in ein Einssein eintritt.

Dieses Eintreten ist nicht eine notwendige Folge Jenes Zustandes - da er keinesfalls die Folge von irgend etwas sein kann -, aber man darf sagen, dass dieser Zustand der Vereinigung zwischen dem Meditierenden und seinem Objekt die Dekonditionierung (von der Idee, ein getrenntes Individuum zu sein; Anm. d. Hrsg.) fördert.

Meditation ohne ein Objekt ist ein abrupter und direkter Weg und für jene geeignet, die über eine beträchtliche Kraft der Abstraktion und des Unterscheidungsvermögens besitzen. Diese Technik verlangt grundsätzlich nach der Anwesenheit eines qualifizierten Meisters. Sie bedeutet Eliminierung, Reduktion und Involution. Sie ist eine Übung zum Erfassen der höchsten Natur des Objektes, das den Meditierenden zu der Erkenntnis führt, dass die Wirklichkeit des Objekts das Subjekt ist.

Mantrarezitation

1. Allgemeiner Hintergrund

Die Theorie des Mantra basiert auf der indischen Vorstellung von der primären Manifestation des

Universums als Klang. Zuerst war das Feinstoffliche, der Klang (nama), dann erst fand die Entwicklung zum Grobstofflichen, der Form (rýpa) statt. ,

Der Klang und damit auch das Wort wird als formgebend und ungeheuer wirksam erachtet (diese Verbindung von Energie und Wort dürfte auch uns im Westen nicht ganz fremd sein. Man bedenke, dass man mit Worten nicht nur große Meinungsbewegungen entfachen und politische. Entscheidungen prägen kann, sondern sich auch im persönlichen Bereich Freunde oder Feinde schafft Vgl. auf tieferer Ebene den Beginn des Johannesevangeliums : "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort ... " sowie moderne psychologische Konzepte zur Bedeutung von Energie und Wort).

Im Kontext der Hatha Yogatradition wird der äußere Ton (im Gegensatz zu innerlich wahrgenommenen Klangphänomenen) als Symbolwort dem Eingeweihten vom Guru übermittelt, damit es dessen Inneres zum Schwingen bringt und es so dem höchsten Erleben öffnet.

Als Übungsform der gegenständlichen Meditation führt Mantrarezitation zu fortwährender Ruhe bezüglich der Sinneswahrnehmungen, des Körpers und des Geistes. Das Mantra wird zum Instrument der Verwandlung und leitet den Praktizierenden zu gesteigertem Wachbewusstsein (turya).

Das MAN (von manas = Geist, Denken) TRA (Suffix mit Werkzeugcharakter) wird zum Werkzeug, das das diskursive Denken überwindet.

Mit seiner Hilfe kann ein bestimmter Grad von Offenheit, Loslösung und Transparenz, d.h. ein

Zustand der Meditation erreicht werden, in dem das Denken zur Ruhe kommt (citta vrtti nirodhah) und Erkenntnis stattfindet.

Anmerkung : Mantren sind auch in anderen Kulturen bekannt

2. Japa Ajapa mit " so ham hamsah "

Dieses Mantra wird im Rhythmus des Atems oder mit Schritten im Gehen synchronisiert. SO HAM wird durch aufgelösten Sandhi (phonetische Regel) zu SO AHAM was soviel bedeutet wie : Er/ Sie/ Es bin ich = Das / Brahman bin ich.

HAMISAH ist die Wildgans, im indischen ein Symbol für die befreite Seele.

Unter anderem findet hier ein Wortspiel statt, da wiederum "soham" enthalten ist.
Individuelles Bewusstsein (aham) und unbegrenztes Sein (so/ sah) werden in diesem Mlantra
miteinander in Verbindung und zur Überwindung gebracht.

Japa (das ununterbrochen rezitierte lvtantra) und Ajapa (das sich verselbständigte Mantra) wird in besonderem Masse mit " so harn hamsah " in Verbindung gebracht. In der indischen Tradition heißt es, dass wir nur auf unseren Atem zu hören brauchen, um ihm dieses Mantra " abzulauschen ". So ham hamsah wird als das natürliche Mantra betrachtet, das mit dem ersten Atemzug beginnt und mit dem Topa endet.

3. Praxis

Am Anfang wird das Mantra eher als dynamisches Moment der Konzentration benutzt, indem sich der laut sprechende oder innerlich rezitierende Übende ihm mit gelöster Aufmerksamkeit und voller Hingabe zuwendet. In der vertieften Mantrarezitation wird das Mantra nicht mehr aktiv gesprochen oder gedacht sondern passiv gehört.

Die Mantrabewegung kann sich allmählich auflösen und mantrafreie Momente der Stille eintreten (Übergang von der gegenständlichen zur gegenstandslosen Meditation), in denen nur das Wesen des Mantra, "die Färbung oder Gestimmtheit des Bewusstseins durch den Bedeutungsgehalt und die Vibration des Mantra übrig bleibt." (Lama Anagarika Govinda)

Über die Versenkung: Samadhi Pada

Die Disziplin des Yoga (Sýtren 1-4) und die fünffachen seelischen-geistigen Vorgänge (Sýtren 5-11)

1.1 atha yoga anuêasanam
Nun (folgt) die Disziplin des Yoga.

1.2 yogaê citta-vøtti-nirodhaÿ.
Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistig Vorgänge zur Ruhe kommen.

1.3 tada draêþuÿ svarýpe' vasthanam
Dann ruht der Sehende in seiner Wesensidentität.

1.4 vøtti-sarýpyam itaratra
Alle anderen inneren Zustände sind bestimmt durch die Identifizierung mit den seelisch-geistigen Vor gängen.

1.5 vøttayaÿ pañcatayyaÿ kliûþa-akliûþaÿ
Es gibt fünferlei seelisch-geistige Vorgänge (und sie sind entweder) leidvoll oder leidlos.

1.6 pramaða-vipariaya-vikalpa-nidra-smøtayaÿ
(Und zwar die folgenden:) Gültiges Wissen, Irrtum, Vorstellung, Schlafbewusstsein und Erinnerung.

1.7 pratyakûa-anumana-agamaÿ pramaðani
Das gültige Wissen besteht aus direkter Wahrnehmung, Schlussfolgerung und Oberlieferung (das ist Erkenntnis, die auf der Autorität heiliger Schriften beruht).

1.8 viparyayo mithya-jñanam atadrýpa-pratiûþham
Irrtum ist eine verkehrte Erkenntnis, die sich auf etwas gründet, was dein Wesen der Sache nicht ent spricht.

1.9 êabda-jñana-anupatë vastu-êýnyo vikalpaÿ
Vorstellung (vikalpa) ist eine Erkenntnis, die bloß auf Worten beruht, die bar jeder Wirklichkeit sind.

1.10 abhava-pratyaya-alambana vøttir nidra
Der Schlaf ist ein Bewusstseinszustand vøtti in dem der Gegenstand der Wahrnehmung abwesend ist.

1.11 anubhýta-viûaya-asaMpramoûaÿ smøtiÿ
Die Erinnerung ist das Nicht-Abhandenkommen von (früher) erfahrenen (Sinnes-) Gegenständen.

Das Wort citta kommt von cl er Wurzel cit, die bedeutet »sehen, beobachten, erkennen«. Citta ist das Passivpartizip der Vergangenheit des Verbes cit, es bedeutet daher »das Gesehene, das Beobachtete, das Erkannte, d. h. das, was man in der Vergangenheit erfahren hat, und von daher das Organ des Denkens, auch das Bewusstsein. Das Wort vøtti ist abgeleitet von der Wurzel vøt die bedeutet »wählen, vorziehen«; auch »sich drehen, bewegen«. Vøtti bedeutet daher die Form, die das Wählen im Bewusstsein nimmt, und den flukturierenden Strom (ICs Bewusstsein Das Wort ðirodha ist zusammengesetzt aus rodha mit der Vorsilbe ni Rodha stammt von einer Wurzel rudh, die bedeutet: »hindern, aufhalten, anhalten«. Und die Vorsilbe ni bedeutet »verlangsamen«. Nirodha bedeutet also das Verlangsamen der wählenden Bewegung des Denkens (citta-vøtti) und ihr allmahliches Zur-Ruhe-Kommen, was von selbst geschieht.

Sutra 3 sagt: »Der Seher gründet sich in seiner Wesensidentität.« Was ist diese wesenhafte, existentielle Identität (svarýpa pratiûþha angedeutet durch svarupe'vasthanam in Sutra 3)? Der Mensch ist nach dem Yoga mehr als ein bloßes sehendes Wesen (II 20) und doch ist er, weil er von der Vergangenheit bestimmt ist, versucht, durch die Brille seiner Erfahrungen hindurch zu sehen. Die Erfahrung gehört immer der Vergangenheit an. Wenn er mit einer tatsächlichen Situation konfrontiert ist, verwandelt der Mensch den reinen Akt des Sehens in einen ichbezogenen Akt der Erfahrung, gesiebt durch die erinnerte Vergangenheit. Er muss das, was er hier und jetzt sieht, in die Struktur des Wiedererkennens, das er sich aus vergangenen schmerzlichen oder erfreulichen Erfahrungen konstruiert hat, einordnen. Dieses Einordnen des hier und jetzt Gesehenen in die Struktur des Wiedererkennens, das immer von der Vergangenheit bedingt ist, bedeutet, durch die gefärbten und gebogenen Brillen vergangener Erfahrungen zu sehen. Dies ist eine Verzerrung des reinen Sehens und dabei eine Entfremdung des Menschen von seiner wesenhaften Identität (svarýpa). Es ist eine Verzerrung und Degradierung des wesenhaften Existentiellen zugunsten des bloß Ideellen.

(Übersetzung und Kommentar von Despande)

Die yogische Atemschulung - Pranayama

Philosophische Einbettung des Atems in den Weg des Yoga
Die Methoden des Yoga sind ihrem Ansatz nach ganzheitlich. Alle Aspekte unseres Menschseins werden als sich gegenseitig bedingend betrachtet und fliessen in die Yogapraxis mit ein. Über den Atem haben wir ebenso die Möglichkeit, auf unser körperliches Empfinden einzuwirken, wie auf unsere Gefühlswelt und unseren Geist. Normalerweise regelt sich unser Atemgeschehen über komplexe Regelkreise von selbst. Ohne unser bewusstes Zutun passt sich der Atem im Alltag momentanen Gegebenheiten an - und doch ist es auch möglich, in einem gewissen Rahmen willentlich ins Atemgeschehen einzugreifen ( wie dies in den yogischen Atemübungen - genannt Pranayama der Fall ist ). Pranayama in der yogischen Tradition wird nicht nur in Bezug auf Gesundheit, Schönheit, Wohlempfinden und Lebensverlängerung hochgelobt sondern dient vor allem dazu, den Geist in einen ruhigen, gesammelten und gleichzeitig hellwachen und klaren Zustand zu versetzen. Denn nur in einer solchen Geistesverfassung, so die yogische Tradition, wird der Blick in die Tiefe des Daseins transparent und höchste Erkenntnis möglich. Im klassischen Werk des Yoga, den Yogasutren Patanjalis ( 200 v. - 200 n. Chr. ), wird Pranayama als fortgeschrittene Yogapraxis, die den " inneren Schleier, der die Erleuchtung bedeckt, entfernt ", beschrieben. Pranayama bildet hier das vierte Glied auf dem achtfachen klassischen Weg des Yoga. Voraussetzungen Pranayama bedeutet ein starker Eingriff ins physiologische Geschehen. Es bedarf deshalb einer - behutsamen und angemessenen Vorbereitung. Eine kontinuierliche Yogapraxis und die persönliche Anleitung eines erfahrenen Lehrers sind essentiell. Ein entwickeltes Körperbewusstsein wird ebenso vorausgesetzt wie die Fähigkeit, über längere Zeit hin aufrecht und schmerzfrei zu sitzen. Aller Pranayama Praxis voran geht die Beschäftigung mit dem natürlichen Atem. Dieser sollte voll, tief, regelmässig und fliessend sein. Atemrhythmen und Atemräume sollten gelöst erspürt werden können, sodass es möglich wird, zwischen willkürlichem Beeinflussen des Atems und der natürlichen, spontanen Atmung problemlos hin und her zu springen. Charakteristik Der Atemtyp des Pranayama ist charakterisiert durch:
- Das Rhythmisieren des Atems
- Das Einlegen von Atempausen und bestimmten Verschlüssen ( bandhas )
- Eine Betonung der Brust und Flankenatmung bei weitgehender Ausschaltung der natürlichen

Bauchatmung

Die in den Hatha Yogaschriften erwähnten klassischen Pranayamatypen greifen zeitweilig ins natürliche Atemgeschehen ein. Je nach angestrebter Wirkung können diese Atmungen anregend, beruhigend, kühlend oder wärmend sein. Das Ziel ist es, den Atem zu nutzen um uns in einen Zustand der inneren Ruhe bei gleichzeitigen Wachheit zu versetzen - die Basis, auf der Erkenntnis wachsen kann.