Das Anliegen des Yoga ist es, die existentielle Situation unseres Menschseins zu erkennen und aus dieser Dimension heraus unser Leben zu gestalten. Als Voraussetzung für solche ontologischen Einblicke und Erfahrungen nennt Patanjali einen Zustand der inneren Ruhe und Klarheit
Der achtgliedrige Yogaweg zeigt dazu einen methodischen Ansatz auf, in welchen alle Aspekte unseres Daseins einbezogen werden. Als erstes und zweites Glied werden die Yamas und Niyamas genannt.
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( Patanjali 2,29 - 2,45 )
Das Anliegen des Yoga ist es, die existentielle Situation unseres Menschseins zu erkennen und aus dieser Dimension heraus unser Leben zu gestalten. Als Voraussetzung für solche ontologischen Einblicke und Erfahrungen nennt Patanjali einen Zustand der inneren Ruhe und Klarheit ( "yogas citta vrtti nirodhah"). Der achtgliedrige Yogaweg zeigt dazu einen methodischen Ansatz auf, in welchen alle Aspekte unseres Daseins einbezogen werden. Als erstes und zweites Glied werden die Yamas und Niyamas genannt. Es handelt sich dabei um allgemeine Richtlinien, die dem / der Yogaübenden als Orientierung im inneren und äußeren Leben dienen. Sie sind von ihrem Selbstverständnis weder Ge- noch Verbote im moralischen Sinne, sondern Qualitäten, die eine Atmosphäre schaffen, in welcher die Methoden des Yoga wirken können und der Geist zu innerer Ruhe und Klarheit findet.
Auf allen Ebenen ( körperlich, emotional, geistig ); gegenüber sich selbst, unseren Mitmenschen, allen Wesen und sogar der Natur gegenüber (ökologische Komponente). Patanjali erwähnt auch, dass Ahimsa bedeutet, weder selbst Gewalt auszuüben, noch
sie zu dulden.
Wahrhaftigkeit betrifft die Ehrlichkeit uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber.
Es impliziert die Übereinstimmung von Gedanken, Worten und Taten, sowie den Mut authentisch zu sein.
Ein schönes arabisches Sprichwort lehnt sich daran an : " Bevor Du etwas sagst, überprüfe 1. ob es wahr ist, 2. ob es hilfreich ist und 3. ob es nötig ist.
Nicht Stehlen kann zunächst pragmatisch interpretiert werden, als das sich zurückhalten davon, etwas an sich zu nehmen, was nicht zu einem gehört. Sowohl auf materieller, wie auf geistiger Ebene. Stehlen in diesem Sinne fordert nicht nur viel "Vertuschungsenergie", sondern basiert auch auf einem inneren Gefühl des Mangels und der Identifikation mit der Materie.
Yoga hingegen möchte uns reif dafür machen, dass Wunscherfüllung über Objekte eine relative ist - ein Wunsch gebiert 1000 andere - und sich innerhalb dieses Kreislaufes unsere wahre Sehnsucht nach Frieden und Erfüllung nicht löschen lässt.
Pat.2,39 : " Ist Aparigraha fest begründet, versteht man den Sinn des Lebens."
Mit diesem Yama steht die für unsere Gesellschaft typische "Hypertrophie des Hortens" im Blick. Das Anhäufen von unnötigen materiellen Gütern und / oder Wissen, Ämtern, Macht... wirkt oft wie Fesseln und kostet uns viel Verwaltungsaufwand, Energie und Zeit.
Die Aufgabe besteht darin, herauszufinden, was ich wirklich zum Leben brauche, mit was ich mich gern umgebe/beschäftige, was mich inspiriert und was mir Kraft gibt.
Ein lesenswertes Buch dazu aus einer ganz anderen Ecke:
" Richtig ausmisten-gerümpelfrei bleiben / Feng Shui - gegen das Gerümpel des Alltags"
rororo von Karin Kingston
Brahmacharya finden wir häufig im engen Sinne von sexueller Enthaltsamkeit übersetzt. Es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass es im Yoga verschiedene Konzepte im Umgang mit der Sexualität gibt.
Von asketischen Traditionen, welche die Sexualität in direkter Konkurrenz zum geistigen Weg sehen, bis hin zum Tantrismus, in dem die sexuelle Kraft explizit in den Übungsweg mit einbezogen wird.
Moderne Yogis und Yoginis sind sich einig, dass die Sexuallität als mächtige Kraft nicht einfach vom Leben abgespalten, unterdrückt und verdrängt werden kann. Brahmacharya wird in diesem Sinne eher als Vermeiden sexueller Fehlhandlungen und als maßvoller, disziplinierter Umgang mit unseren Bedürfnissen interpretiert.
Pat.2,28 " Durch die Übung der verschiedenen Stufen des Yoga verschwinden die Unreinheiten, das Licht des Wissens erstrahlt, und es entsteht ununterbrochenes Unterscheidungsvermögen."
Während sich die Yamas eher auf den allgemeinen Umgang mit anderen beziehen, werden in den Niyamas Qualitäten angesprochen, die speziell auf unsere Praxis und unsere Lebenseinstellung wirken.
Saucha, die Reinheit steht an vorderer Stelle. Gemeint ist die äußerliche
Reinheit ( sauberer Übungsplatz, saubere Kleidung, sauberer Körper ), aber auch die innere Reinheit des Körpers ( frei von "Ama"- Schlackenstoffen durch die Kriyas und Pranayama ) sowie die emotionale und geistige Reinheit des Herzens, unserer Gedanken und unserer Motivation.
Pat.2,42 : " Aus Zufriedenheit gewinnt man unübertroffenes Glück"
Samtosa im yogischen Sinne bedeutet, sich auch in schwierigen Situationen immer wieder der positiven Seiten des Lebens bewusst zu werden. Samtosa ist dabei nicht als Einladung zum Müßiggang und zur resignierten Untätigkeit zu verstehen. Viel eher beinhaltet der Begriff neben einer gewissen Aussöhnung mit diesen dunklen Seiten auch das geduldige und zuversichtliche "arbeiten" daran ( siehe tapas ).
Samtosa auf höchster Ebene äussert sich in einem rückhaltlosen "Sich dem Leben anvertrauen".
Pat.2,43 : " Durch Tapas werden die Unreinheiten aufgelöst und Kräfte des Körpers und der Sinne herbeigeführt."
Tapas verweist auf die Bemühung und die Disziplin, deren es bedarf um von den Yogamethoden zu profitieren. Diese sollte eher auf dem Boden der Wunsch anstatt der Willenskraft angesiedelt sein. Die Liebe und Sehnsucht zur Vollkommenheit sollte uns beflügeln und uns dazu veranlassen, uns " in die Anstrengung zu verlieben".
Svadhyaya : Das Selbststudium
Unter Svadhyaya versteht man traditionell das Studium der klassischen Schriften Indiens, die zur Erkenntnis des Selbstes beitragen ( bsw. die Upanisaden, die Veden aber auch die großen Yogaschriften ).
Im erweiterten Sinne könnte man auch andere schöngeistige Literatur dazuzählen, welche uns tief zu berühren und zu inspirieren vermag. Auch Konzerte, Ausstellungen oder die eigene künstlerisch kreative Betätigung, welche die Sehnsucht nach Lebendigkeit und Einsicht in uns wachhält, lässt sich unter Svadhyaya subsumieren.