Klassisches Yoga in der Tradition des Kaivalyadhama Institutes und des kaschmirischen Tantrismus

Tradition
Methoden

Tradition

 

 

Traditionell wird Yoga wie alle indischen Wissenschaften und Künste im persönlichen Kontakt vom Lehrer zum Schüler weitergegeben. Der Lehrer gleicht dabei einem Wegweiser, der Kraft seines Wissens, seiner Erfahrung und Liebe die Lernenden begleitet. Das Dozententeam des Institutes für Yoga und praxisorientierte Philosophie (IYP) lädt sie in diesem Sinne zu einem lebendigen Austausch ein. Zwei Traditionen stehen dabei im Vordergrund:

1. Die klassisch-wissenschaftliche Ausrichtung des Kaivalyadhama Institutes, Lonavla, Indien

2. Die feinsinnige und lebensbejahende Philosophie und Methodik des kaschmirischen Tantrismus

Gastdozenten bieten darüber hinaus wertvolle Einblicke in andere Yogarichtungen
(Tri Yoga Flow, Astanga Yoga, Meridian Yoga, Vini Yoga, buddhistische Meditation etc.)

Das Anliegen des IYP ist es, Ihnen in Anlehnung an klassische Yogatexte ein fundiertes Wissen und eine "yogische Heimat" anzubieten, die Ihren Weg zu Eigenverantwortung, Achtsamkeit und Lebensfreude fördert.

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© Tanja Sailer / IYP

 

 

 

 

Methoden

 

Die Popularität des Yoga beruht auf der Wirksamkeit seiner Methoden. Diese sind ihrem Ansatz nach ganzheitlich. Gleichsam werden mittels differenzierter Kategorien von Übungen Körper, Atem, Intellekt und Gefühl, ja sogar die Ernährung und allgemeine Lebensweise berücksichtigt. Alle Aspekte unseres Menschseins fließen, je nach Tradition in unterschiedlicher Gewichtung, in eine systematisch aufgebaute Yogapraxis mit ein und eröffnen die Integration aller Fähigkeiten und Möglichkeiten, die das Leben bietet.

Folgende Methoden des klassischen Yogaweges Patanjalis und der Hatha Yogatradition helfen Ihnen, die Einladung des Yoga zu körperlichem Wohlempfinden, seelischer Ausgeglichenheit und geistiger Achtsamkeit anzunehmen.

Yamas / Niyamas

 

"Innere Werte als Richtlinien für die Yogapraxis und den Alltag"

Die Yamas und Niyamas bilden als 1. und 2. Glied die Basis des achtfachen Yogaweges Patanjalis. Mit ihren 10 Richtlinien für die Yogapraxis und den Alltag widmen sie sich der inneren Haltung, die unserem Denken und Tun zugrunde liegt. Dabei handelt es sich nicht um Ge- oder Verbote im moralischen Sinne, sondern um die Pflege von Qualitäten, die das Einfühlungsvermögen und die Achtsamkeit fördern und damit eine Atmosphäre schaffen, in welcher die anderen Methoden des Yoga wirken können. An ihnen orientiert, schafft sich der / die Übende die Voraussetzung eines charakterfesten, stabilen Ichs, das in eine lebendige Begegnung und Auseinandersetzung mit der Welt treten kann und in innerer Ruhe und Selbstverantwortung gefahrlos bereichert und in seinen Grenzen relativiert werden kann.

Yoga Nidra

 

"Viele Menschen glauben, dass sie sich entspannen, wenn sie in einem bequemen Sessel zusammensacken, mit einer Tasse Kaffee, einem Drink und einer Zigarette Zeitung lesen oder den Fernseher einschalten. Rein wissenschaftlich ist das nicht als Entspannung zu definieren, sondern nur als Ablenkung der Sinne. Wirkliche Entspannung geht weit darüber hinaus."   Swami Satyananda Saraswati

Yoga Nidra ist eine kraftvolle Methode, die lehrt, sich bewusst zu entspannen. Von Swami Satyananda Sarasvati entwickelt, führt Yoga Nidra auf systematische Art und Weise dazu, physische, emotionale und mentale Verspannungen zu lösen. In Ruhelage, bei gleichzeitiger innerer Wachheit und aktiver Visualisation wird ein Zustand tiefer physiologischer Ruhe erzeugt. Regenerative Mechanismen werden aktiviert, die stressbedingten Störungen positiv entgegenwirken und mit ihrem erholsamen und erfrischenden Charakter zur Quelle von Lebensfreude, Kreativität und Einsicht werden.

Kriya

 

"Wenn durch Übung der verschiedenen Glieder des Yoga die Schlacken beseitigt sind, steigert sich die Leuchtkraft der Erkenntnis bis zur Unterscheidung"   Patanjali 2,28

In der Hatha Yogatradition werden in verschiedenen Schriften sechs Reinigungsmethoden (Kriyas oder Satkriyas) vorgestellt. Diese sechs Methoden heißen: "Dhauti, Basti, Neti, Trataka, Nauli, Kapala Bhati". Sie umfassen die differenzierte Reinigung und Vitalisierung des gesamten Verdauungstraktes und der Sinnesorgane, die zum Teil mechanisch, zum Teil mittels intelligent angewandter Körper- und Atemübungen herbeigeführt wird. Gezielt eingesetzt sind die Satkriyas von hohem hygienischen und therapeutischen Wert für die Gesundwerdung und Gesunderhaltung des Körpers. Sie reinigen, kräftigen und beleben den Körper und schaffen damit eine ideale Ausgangsbasis für emotionale Stabilität und geistige Klarheit.

Asana

 

Klassische Yogahaltungen zur Entwicklung von physischer Stabilität, Körperbewusstsein und Achtsamkeit

Der Begriff "Asana" kommt von der Sanskrit Verbform "as", was "sitzen, sich befinden, verharren", bedeutet. Asanas bezeichnen einerseits die meditativen Sitzhaltungen selbst, andererseits ein breites Spektrum an Übungen , die frei von Bewertung und Leistungsanspruch mit Achtsamkeit und liebevollem Einfühlungsvermögen praktiziert werden. Die Asanapraxis lebt vom zielgerichteten Krafteinsatz und der Entspannung in der Anspannung (Dissoziation der Muskulatur). Wer so in den Haltungen verweilt, optimiert die Regeneration der Organe, stimuliert das Nervensystem, tonisiert die Muskulatur und bekommt einen Vorgeschmack auf das Gefühl der Weite, welche die Meditation prägt. Neben der Stärkung und Gesunderhaltung des Körpers geht es darum, Intimität mit sich selbst zu erleben, Zusammenhänge zu erkennen, neue Verhaltensweisen einzuüben und die Achtsamkeit zu schulen.

Mudra

 

Übungen zur Harmonisierung psychischer Energie

In der Regel wird Mudra mit Siegel oder Zeichen übersetzt. Etymologisch verwandt mit dem Sanskritwort "mud" , was soviel wie glücklich sein bedeutet, verweist ein Mudra auf das, was Glück und Freude bringt. Im Kontext der Hatha Yogatradition umfasst die Kategorie der Mudras bestimmte festgelegte Gesten der Hände und des Blickes, Fixierungen der Zunge und komplexe Techniken, die eine Verbindung aus Körperhaltung, Atemübung und Konzentrationsschulung beinhalten. Aufgrund ihrer potenzierten Wirksamkeit nehmen Mudras in allen klassischen Texten einen hohen Stellenwert ein. Regelmäßig praktiziert verhelfen sie dazu:

• Krankheiten zu beseitigen und vorzubeugen
• Innere Stabilität durch die Harmonisierung psychischer Energie zu erlangen
• Schlafende Lebensenergien zu aktivieren und zu lenken

Pranayama

 

"better breathing means better life"   B.K.S Iyengar

Pranayama ist eine einzigartige, den Weg des Yoga charakterisierende Methode. Seit Jahrtausenden haben sich die Inder mit dem Atem beschäftigt und die Zusammenhänge von Atemmuster, Gefühlswelt und Geist untersucht. Auf der Basis profunder medizinischer Kenntnisse und philosophischer Überlegungen entwickelten sie verschiedene Atemübungen, mittels denen es gelingt, positiv auf die Gesundheit, das Lebensgefühl und die geistige Verfassung einzuwirken. Diese Übungen lassen sich unter dem Begriff "Pranayama" zusammenfassen. Zumeist wird bei ihrer Ausführung der Atem modifiziert, rhythmisiert und in den Atempausen angehalten. Es handelt sich dabei um fortgeschrittene Übungsweisen, die der behutsamen und erfahrenen persönlichen Anleitung bedürfen. Das Ziel von Pranayama ist es, eine Atmosphäre der wachsamen inneren Sammlung als ideale Ausgangsbasis für Meditation und Einsicht zu fördern.

Samyama

 

"Yoga ist der Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen. Dann ruht der Sehende in seiner wahren Wesensidentität"
(Patanjali Yogasutren 1.2 / 1,3)

Samyama umfasst die drei inneren Glieder des Yoga: Dharana , Dhyana , Samadhi, welche bei uns unter dem einen Begriff der Meditation bekannt sind. Dharana und Dhyana beziehen sich dabei auf einen Prozess zunehmender Sammlung, in welchem die Bewegungen des Geistes (citta vrttis) auf ein Objekt gebündelt werden. Solange die Konzentration noch zwischen Ablenkung und Konzentrationsobjekt hin und herpendelt, spricht man von Dharana; gelingt hingegen eine reglos, einsgerichtete, wache Wahrnehmung, in welcher eine Annäherung zwischen Seher und Gesehenem stattfindet, so ist die Rede von Dhyana. Der Zustand, in dem Seher und Gesehenes ihre abgrenzende Individualität hinter sich lassen, und sich das Ichbewusstsein des Sehers aus der Bindung an seine bisher geglaubte Identität löst, heißt Samadhi. In der lichten Stille unbewohnter Achtsamkeit entsteht die Schau des Unbegrenzten, welche Yoga oder Erleuchtung genannt wird.

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